# Vitamin D in der Schweiz: Versorgungslage und Supplementierung

> Die geographische Lage der Schweiz beeinflusst die körpereigene Vitamin-D-Synthese. Was die Forschung zur Versorgungslage sagt - und welche Rolle Supplementierung spielen kann.

Vitamin D ist für zahlreiche Körperfunktionen essenziell, doch seine körpereigene Produktion ist stark von der Sonneneinstrahlung abhängig. Besonders in Regionen mit höheren Breitengraden stellt sich die Frage, wie eine ausreichende Versorgung sichergestellt werden kann. Dies betrifft auch die Schweiz, wo die Sonnenintensität über weite Teile des Jahres nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken.

## Das Breitengrad-Problem in der Schweiz

Die Synthese von Vitamin D in der Haut erfordert **UV-B-Strahlung** im Wellenlängenbereich von 290-315 nm. Die Schweiz liegt auf dem 46. bis 47. Breitengrad Nord, wo die Sonne von **Oktober bis März** zu flach steht. In dieser Zeit wird die UV-B-Strahlung durch die Atmosphäre so stark gefiltert, dass eine relevante körpereigene Vitamin-D-Produktion physiologisch nicht möglich ist. Selbst längere Aufenthalte im Freien können den Mangel in diesen Monaten nicht ausgleichen. Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) empfehlen daher eine **Supplementierung** während des Winterhalbjahres.

## Der Syntheseweg von Vitamin D

Vitamin D wird im Körper in mehreren Schritten aktiviert. Zunächst trifft UV-B-Strahlung auf **7-Dehydrocholesterol** in der Haut, woraus Prävitamin D3 entsteht. Durch Körperwärme wandelt sich dieses in **Vitamin D3 (Cholecalciferol)** um. In der Leber erfolgt eine Hydroxylierung zu **25(OH)D3 (Calcidiol)**, der im Blut messbaren Speicherform. Anschliessend wird Calcidiol in der Niere zu **1,25(OH)₂D3 (Calcitriol)**, der biologisch aktiven Form, umgewandelt. Der 25(OH)D-Blutspiegel dient als Massstab für den Vitamin-D-Status, wobei Werte unter 50 nmol/l als unzureichend gelten.

## Funktionen und Synergien von Vitamin D

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigt, dass Vitamin D zur normalen Funktion des **Immunsystems** sowie zur Erhaltung normaler **Knochen, Zähne und Muskelfunktion** beiträgt. Diese sogenannten Health Claims basieren auf umfangreichen wissenschaftlichen Studien. Vitamin-D-Rezeptoren (VDR) sind in nahezu allen Körpergeweben zu finden, was die weitreichende Bedeutung von Vitamin D über den reinen Knochenstoffwechsel hinaus unterstreicht. Für eine optimale Wirkung ist Vitamin D oft auf die Zusammenarbeit mit anderen Nährstoffen angewiesen.

Vitamin D fördert die **Kalziumabsorption** aus dem Darm. **Vitamin K2 (MK-7)** steuert die Verwertung dieses Kalziums, indem es Osteocalcin aktiviert, welches Kalzium in die Knochen leitet, und Matrix-GLA-Protein (MGP) aktiviert, das Kalzium von den Gefässwänden fernhält. Daher sind Kombinationen aus D3 und K2 sinnvoll. **Magnesium** ist ein wichtiger Kofaktor für die Enzyme, die 25(OH)D in seine aktive Form umwandeln. Ein Magnesiummangel kann die Vitamin-D-Aktivierung erheblich beeinträchtigen.

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## Häufige Fragen

**Wie viel Vitamin D sollte man supplementieren?**
Die SGE empfiehlt für Erwachsene bis 60 Jahre 600 IE täglich und für Personen über 60 Jahre 800 IE. In der Präventivmedizin werden oft 1.000-2.000 IE täglich angestrebt, um einen Zielspiegel von 75-125 nmol/l zu erreichen.

**Warum ist die Einnahme zu einer Mahlzeit wichtig?**
Vitamin D ist fettlöslich. Die Einnahme zusammen mit einer Mahlzeit, die Nahrungsfett enthält, verbessert die Absorption erheblich. Auf nüchternen Magen ist die Bioverfügbarkeit deutlich reduziert.

**Können Lebensmittel den Vitamin-D-Bedarf decken?**
Fetter Seefisch wie Lachs oder Hering sowie Eier enthalten Vitamin D, jedoch in Mengen, die den täglichen Bedarf, insbesondere im Winter, kaum decken können. Ein regelmässiger Konsum in ausreichender Menge ist für die meisten Menschen nicht praktikabel.

## Quellen

SGE Referenzwerte 2020 - Vitamin D.
Holick MF (2007), New England Journal of Medicine - Vitamin D Deficiency.
Webb AR (2006), Journal of Steroid Biochemistry and Molecular Biology - Who, what, where and when.
EFSA Health Claims Vitamin D (2010).

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